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14. August 2018

Tomaten vermehren und neue Sorten züchten

Kann man verschiedene Tomatensorten nebeneinander anbauen und trotzdem Saatgut von ihnen ernten? Und wie entstehen eigentlich neue Sorten?

Grösstenteils sind Tomaten Selbstbefruchter, das heisst, egal, wer nebenan steht, die Samen werden innerhalb der Blüte mit dem eigenen Pollen befruchtet und sind somit sortenrein.

Aber es gibt Ausnahmen, denn bei gewissen Sorten sind die Blüten ein wenig anders aufgebaut. Bei ihnen ragt der Griffel über die Staubbeutel hinaus. Das kommt v.a. bei den Wildtomatentypen ab und zu vor. Hier können Insekten eher Pollen von einer anderen Pflanze/Sorte auf die Narbe bringen. Da aber Tomatenblüten für Insekten nur dann interessant sind, wenn gar nix anderes blüht, ist diese Gefahr relativ gering (bzw. deshalb lohnt es sich umso mehr, einen Insektenfreundlichen Garten mit vielen Blumen zur Ablenkung anzulegen). Im Gewächshaus, so zeigt die Erfahrung im ProSpecieRara-Schaugewächshaus Niederwil, ist die Gefahr von Fremdbestäubung grösser. Einerseits fehlt dort der Wind, der die Pflanzen schüttelt und so dafür sorgt, dass der Pollen auf die Narbe fällt, andererseits ist das Nahrungsangebot für die Insekten, die sich ins Gewächshaus verirrt haben, kleiner, sodass sie trotzdem auf die Tomatenblüten gehen.

Will man einigermassen sicher gehen, erntet man Saatgut nur von Tomaten, die eher im Innern der Pflanze gedeihen (also möglichst weit weg von den anderen Sorten). Will man ganz sicher gehen, verhüllt man die noch geschlossenen Blüten mit einem ganz feinen Tuch oder Netz und nimmt dieses erst weg, wenn sich kleine Tomaten gebildet haben. Diese muss man dann mit einem Faden markieren, damit man später noch weiss, welche Früchte zur Samenernte vorgesehen sind.

Dies ist aber ein relativ grosser Aufwand, der wie oben beschrieben, in den meisten Fällen gar nicht nötig ist. Und wenn es tatsächlich zu einer Verkreuzung kommt, merkt man das erst an den Früchten, die im kommenden Jahr aus den Samen wachsen.
Selbst falls diese Früchte zufälligerweise besonders gut sind, lohnt sich eine Saatgut-Entnahme nur dann, wenn man Lust zum Experimentieren hat. Denn die aus der Kreuzung entstandene Sorte ist ein F1-Hybrid (Filialgeneration 1), sie hat von zwei Elternpflanzen unterschiedliche genetische Informationen erhalten. Erntet man daraus Saatgut und baut die Filialgeneration 2 an (F2-Hybrid), verteilen sich die Erbinformationen der Vater- und Mutterpflanzen ganz unterschiedlich in den Nachkommen. Diese Generation ist also sehr heterogen. Es gilt hier eine Auslese auf die gewünschten Merkmale zu machen. Dies muss man über 5-10 Pflanzengenerationen hin machen, bis daraus eine stabile Tomatensorte entsteht, die problemlos über Samen vermehrt werden kann.

Die Wildtomate 'Currant White'